Geschichten und Gestalten - Puppets and Tales
Menü

Leichte Sprache

2016/2017 habe ich an einer längeren Weiterbildung bei der Lebenshilfe Landesverband Hessen e.V. teilgenommen. Dort habe ich gelernt, Texte in Leichter Sprache zu schreiben.

Schwere Sprache kann ein Hindernis sein.

Alle, die selbst über ihr Leben bestimmen möchten, brauchen Informationen, Informationen in einer verständlichen Sprache. Manche Menschen brauchen Gebärdensprache, manche Braille-Schrift, manche einfache Sprache und manche Leichte Sprache.

Hier habe ich die Leichte Sprache bereits genutzt:

Ich arbeite seit vielen Jahren in der alsterdorf assistenz west gGmbH (aawest). Die aawest ist eine Einrichtung der Eingliederungshilfe.

Dort entwickle ich Veranstaltungen und Fortbildungen in Leichter Sprache, moderiere Veranstaltungen in einfacher Sprache und schreibe Texte in Leichter Sprache.

Viele Texte habe ich auch für die Mädchengruppen geschrieben, die ich 11 Jahre begleiten durfte.

Textbeispiel
Emma und die Blumen

 

Emma arbeitet seit einem Jahr in einem Blumen·laden.

Einmal in der Woche geht sie zur Berufs·schule.

Im Blumen·laden duftet es gut.

Am liebsten sitzt sie im Hinter·zimmer.

Da hat sie ihre Ruhe.

Sie schneidet Blumen an.

Und sie bindet Kränze.

 

Montags und samstags muss sie im Verkaufs·raum helfen.

Die Montage sind gut.

Da ist wenig los.

 

Samstags ist es stressig.

Alle Kunden haben es eilig.

 

Heute ist Samstag.

Der Laden ist total voll.

Da kommt noch eine Frau hinein.

Sie trägt dicke Einkaufs·tüten.

Die Tüten drücken gegen die Lilien.

Gegen die schönen Lilien mit den rosa Tupfen.

Emma ist wütend auf die Frau.

Kann die Frau nicht aufpassen?

Emma möchte rufen:

„Raus hier!“

Aber das geht nicht.

Sie muss ja immer höflich zu den Kunden sein.

 

Die Tüten quetschen die Lilien immer schlimmer ein.

Jetzt braucht Emma Mut und Geduld.

Sie muss die Frau ansprechen.

Sie muss die Lilien schützen.

Und sie muss freundlich bleiben.

Plötzlich schlägt Emmas Herz ganz schnell.

In ihrem Kopf schwirren viele Gedanken auf einmal herum.

Was soll sie der Frau bloß sagen?

 

Da ruft die Chefin plötzlich:

„Emma!

Emma, der nächste Kunde.“

Was?

Auch das noch?

Emma muss den nächsten Kunden bedienen.

 

Aber die Lilien.

Um die muss sie sich auch kümmern.

Alles gleichzeitig.

 

Emma holt tief Luft.

Das hilft meistens.

Heute nicht.

Emma ist noch immer ganz durcheinander.

 

Da fällt ihr ein anderer Trick ein.

Den hat sie neulich erst entdeckt.

Sie dreht den Kopf zur Seite.

Und schaut auf die Sonnen·blumen.

Sie schaut auf das leuchtende Gelb.

Und auf das warme Braun in der Mitte.

Einen Augenblick lang heißt ihr einziger Gedanke:

Sonnen·blume.

Gut.

Jetzt geht es Emma besser.

Sie guckt die Frau an und sagt mit klarer Stimme: 

„Gehen Sie bitte ein Stück zur Seite.

Ihre Tüten drücken in die Lilien.“

 

Die Frau guckt erstaunt auf ihre Tüten.

Dann erschrickt sie.

„Oh, tut mir leid.

Habe ich gar nicht bemerkt.“

Emma atmet erleichtert aus.

 

Dann fragt sie lächelnd:

„Wer ist der nächste?

Was kann ich für Sie tun?“